Slingshot Javelin V1 - der neue Wing mit Boom-System im Test

Manuel Vogel

 · 20.09.2022

Slingshot Javelin V1 - der neue Wing mit Boom-System im TestFoto: Marius Gugg

Boom statt Handles - der Slingshot Javelin ist der neueste Allround-Wing des amerikanischen Herstellers. Wir haben ihn getestet.

“Der Javelin ist keine Abkehr vom klassischen Wing mit Handles” - so stellt Hersteller Slingshot auf seiner Homepage von Anfang an klar. Stattdessen sollen jetzt beide Systeme verfügbar sein - der Javelin als Boom-Wing, der Slingwing V3 (HIER gibt’s einen Test) mit weichen Handles.

An Land:

Der Slingshot Javelin ist in Größen von 2,5/3,0/3,5/4,0/4,5/5,0/5,5/6,0/6,5 und 7,5 in gleich zehn Größen verfügbar - wir haben die Größe mit 5,5qm ausgiebig getestet. Herzstück des Javelin V1 ist ein Boom-System, welches auf den ersten Blick an das des Duotone Slick erinnert, mit dem Unterschied, dass beim Javelin der Boom nicht nur eingesteckt, sondern vor dem Aufblasen am Wing mit Druckknöpfen fixiert wird.

Der Boom bietet bezüglich der Griffposition völlige Freiheit. Über das Gurtband zur Mittelstrut lässt sich die Profiltiefe verändernFoto: Marius Gugg
Der Boom bietet bezüglich der Griffposition völlige Freiheit. Über das Gurtband zur Mittelstrut lässt sich die Profiltiefe verändern

Der Boom ist zweigeteilt, für die kleineren Größen kann man den Boom entsprechend kürzen. Aus diesem Grund benötigt man für verschiedene Wing-Größen nur einen Boom, dieser gehört deshalb nicht zum Lieferumfang und muss einmalig zugekauft werden (Preis: 189 Euro). Mittig am Boom wird ein kleines Gurtband befestigt, mit dem man die Profiltiefe regulieren kann. Insgesamt wirkt der Slingshot Javelin V1 aufgrund seiner vergleichsweise geringen Spannweite nicht nur deutlich kompakter als der Stallbruder Slingwing V3, sondern auch spürbar straffer abgestimmt. Das Entlüften geht dank eines zusätzlichen Ventils an der Mittelstrut überaus flott vonstatten. Alle übrigen Features sind ebenfalls tadellos - die Leash ist lang genug und am Klett gut gepolstert, auf den Nähten der Fronttube sorgen robuste Patches dafür, dass der Wing auch Skate-Sessions unbeschadet überstehen dürfte.

Auch den Slingshot Javelin V1 stellen wir euch nochmal ausführlich in einem Clip vor. Klickt mal rein.

Auf dem Wasser:

Mit den empfohlenen 8 Psi aufgepumpt, wirkt der Javelin sehr direkt, auch wenn schwere Fahrer (>90 Kilo) am Holm ziehen, verzieht sich beim Anpumpen nichts. Bei Leichtwind darf man dem Wing daher getrost etwas mehr Elastizität verleihen, durch eine Reduzierung des Fülldrucks auf etwa 7 Psi und ein Lockern des Spanngurts an der Mittelstrut pumpt man den Slingshot Javelin sogar noch etwas effizienter an. So oder so bietet der Wing aber viel Leistung bei Leichtwind und sorgt dafür, dass der Spaß früh beginnt. Da die Spannweite vergleichsweise gering ausfällt und die Wingtips sichtbar nach hinten abgeknickt designt wurden, hat der Wing zudem eine erfreulich geringe Tendenz, während des Anpumpens mit den Flügelspitzen im Wasser zu schleifen.

In Manövern lässt sich der Javelin V1 sehr präzise steuernFoto: Marius Gugg
In Manövern lässt sich der Javelin V1 sehr präzise steuern

Einmal abgehoben liegt der Javelin V1 angenehm und ruhig in der Hand, das Griffsystem erlaubt ein millimetergenaues Verschieben der Hände, was zum entspannten Freeriden mit gleichmäßiger Zugverteilung auf beiden Armen maßgeblich beiträgt. Von der direkten Kraftübertragung des Boom-Systems profitiert man auch in Manövern: Intuitives Greifen ist immer möglich, Steuerimpulse werden 1:1 umgesetzt - das hilft Neueinsteigern und Cracks gleichermaßen. Das rautenförmige Fenster erlaubt in Manövern zudem einen recht guten Blick nach Lee. Trotz des Booms wirkt der Javelin auch bezüglich des Manöverhandlings absolut konkurrenzfähig, mit gemessenen 2,95 Kilo Gewicht ist der Wing, bezogen auf die Größe, im guten Durchschnitt angesiedelt.

Einzig, dass der Boom ziemlich dick ausfällt, trübt die Freude mit zunehmender Dauer auf dem Wasser etwas, denn vor allem mit kleinen Händen oder Handschuhen fällt das Greifen dadurch etwas kraftintensiver aus als nötig.

Die Verbindung zum Wing ist steif, der Holm allerdings auch recht dickFoto: Marius Gugg
Die Verbindung zum Wing ist steif, der Holm allerdings auch recht dick

Bei Sprüngen und Rotationen hat uns der Javelin ebenfalls überzeugt. Auch wenn der Stallbruder Slingwing V3 zum Tricksen noch etwas spielerischer und leichter wirkt, gibt sich auch der Slingshot Javelin hier keine Blöße - vor allem die kompakten Maße und die sehr direkte Verbindung zum Wing sind hier starke Argumente.

Und in der Welle? Hier pendelt sich der Wing beim Driften ebenfalls gut aus und fliegt beim Abreiten von Dünungswellen brav hinterher. Wer Brandungswellen nach Lee abreitet, merkt allerdings, dass die recht lange Mittelstrut in Verbindung mit dem Gewicht des Booms die Hinterkante des Wings (”Trailing Edge”) früher absinken lässt, als dies bei den Federgewichten auf dem Markt (z.B. Duotone Unit, F-one Strike V2 oder dem Slingshot Slingwing V3) der Fall ist.

Der Slingshot Javelin V1 Wing - das Fazit:

Mit dem Javelin V1 ist Slingshot ein sehr ausgewogener Wing geglückt. Die Freeride- und Manövereignung ist dank des großen Leistungspotentials bei Leichtwind, der ruhigen Fluglage und des Boom-Systems absolut top. Weil der Wing auch zum Tricksen und auf der Welle gut einsetzbar ist, ergibt sich insgesamt ein großer Einsatzbereich. Wer seinen persönlichen Fokus voll auf Freestyle und Wellenabreiten legt, kann beim Slingshot Slingwing V3 sogar noch etwas mehr Potential erwarten.

Einsatzbereich; Sehr direkt

Boom muss einmalig zugekauft werden

Boom recht dick