Schwer oder leicht – welche Board-Bauweise macht beim Wingfoilen Sinn?Foto: Manuel Vogel

ProdukteSchwer oder leicht – welche Board-Bauweise macht beim Wingfoilen Sinn?

Manuel Vogel

 1/20/2022, Lesezeit: 3 Minuten

Viele Marken bieten nicht nur eine Board-Bauweise sondern zusätzlich oft teurere Pro- oder Carbonversionen an. Wann sich der Aufpreis lohnt, haben wir getestet.

Als ob die Auswahl bei den zahlreichen Marken, Modellen und Größen nicht schon überwältigend genug wäre, werden bestimmte Boards auch noch in einer zweiten Bauweise angeboten. Dabei gilt der Grundsatz: Je leichter die Bauweise, desto teurer das Brett. Weil man einen Gewichtsvorteil von durchschnittlich 600 bis 800 Gramm meist mit einigen hundert Euro bezahlt, ist die Frage, ob sich die zusätzliche Investition lohnt, mehr als gerechtfertigt. Wir haben daher verschiedene Boards in unterschiedlichen Bauweisen miteinander verglichen und verraten euch, wann sich der Mehrpreis lohnen kann – und wann man nur Geld verbrennt.

Vergleichstest 1: Große Wingboards mit 110 Litern

Unser erstes Testpärchen sind zwei 110-Liter Boards von Naish. Der Hover GT bringt es auf 7.28 Kilo und kostet 1179 Euro. Damit ist diese Board-Bauweise knapp 500 Gramm schwerer und 270 Euro günstiger als der Hover Carbon Ultra (6,77 Kilo/1449 Euro). Schlaufen gehören bei beiden Modellen nicht zum Lieferumfang und abgesehen davon, dass auf dem Carbon Ultra ein etwas hochwertiger erscheinendes Pad verklebt wurde, gleichen sich beide Boards komplett.

Den Naish Hover gibt’s in zwei Bauweisen. Preisunterschied: Knapp 300 EuroFoto: Manuel Vogel
Den Naish Hover gibt’s in zwei Bauweisen. Preisunterschied: Knapp 300 Euro

Um es kurz zu machen: Hätten wir die beiden Naish-Boards mit verbundenen Augen gesurft, wir hätten beim Anfahren, Abheben und auf der Geraden nicht sicher sagen können, mit welcher Board-Bauweise wir gerade unterwegs waren. Überraschend war für uns dabei vor allem, dass man den Gewichtsunterschied beim Anpumpen nicht merkt. Beide Boards wirken gleich spritzig und erreichen mit vergleichbarem Pumpeinsatz die Abflugschwelle. Allenfalls in Manövern und bei schnellen Richtungswechseln lässt sich ein Mini-Vorteil für die leichtere Board-Bauweise erahnen – auch das aber nur mit viel Fantasie.

Vergleichstest 2: Jump around!

Zusätzlich haben wir zwei weitere Vergleiche mit Boards der 85- und 95-Liter Klassen durchgeführt: Auch den Fanatic Sky Wing und den Sky Wing TE (HIER geht’s zum Test) unterscheiden in der 85-Liter-Größe einige hundert Gramm Gewicht und 500 Euro an der Ladentheke. Auch hier fällt der Unterschied beim Anpumpen, Abheben und auf der Geraden marginal aus. Allerdings ändert sich das, sobald man komplett abhebt. Bei Sprüngen und Rotationen hängt der Sky Wing TE einfach nochmal eine Klasse leichter und agiler am Fuß als die schwerere Board-Bauweise. Am unteren Windlimit hebelt man den mit 5,60 Kilo sehr leichten Sky Wing TE bereits vergleichsweise kraftlos aus dem Wasser und auch bei 360s und anderen Tricks rotiert das Board einfach eine Spur schneller.

Bei Sprüngen und Rotationen ist der Gewichtsunterschied deutlich spürbarFoto: Marius Gugg
Bei Sprüngen und Rotationen ist der Gewichtsunterschied deutlich spürbar

Welche Board-Bauweise macht Sinn? Das Fazit:

Unser Test-Fazit ist geteilt: Bei Brettgrößen, die für gewöhnlich nur zum Freeriden und Cruisen geeignet sind (>110 Liter) fällt der gefühlte Unterschied zwischen zwei Bauweisen mit einem nominellen Gewichtsunterschied von 500 bis 700 Gramm kaum spürbar und damit deutlich geringer aus, als man das z.B. von Windsurfboards kennt – das Geld kann man somit an anderer Stelle sinnvoller investieren.

Wenn man mit seinem Board auch Sprünge und vor allem Rotationen machten möchte, hat die leichte Board-Bauweise zunehmend Vorteile. Ob einem das agilere Gefühl beim Tricksen, je nach Marke, 300 bis 500 Euro wert ist, muss am Ende jeder selbst entscheiden.