“Rollenbilder von gestern” – Interview mit Wingsurf-Weltmeisterin Olivia PianaFoto: Ana Caterina

People“Rollenbilder von gestern” – Interview mit Wingsurf-Weltmeisterin Olivia Piana

Manuel Vogel

 4/16/2022, Lesezeit: 6 Minuten

Als erste Wingfoil-Weltmeisterin in der Disziplin „Surf Race“ hätte die Französin Olivia Piana allen Grund, die Profi-Tour durch die rosarote Brille zu sehen. Stattdessen beobachtet sie alte Fehler aus anderen Sportarten und eingerostete Rollenbilder. Ein Interview über Gleichberechtigung, den Reiz der neuen Vibes und Foilsurfen in Nazaré.

Sie hat drei WM-Titel auf dem SUP gewonnen, wurde Jugend-Vize-Weltmeisterin auf dem Windsurfboard und 2021 erste Wingfoil-Weltmeisterin der Disziplin “Surf Race”. Warum sie neue Sportarten immer wieder reizen und wie sie es schafft, fast alles auf höchstem Niveau zu machen, verrät Olivia Piana im Interview.

Olivia, du bist 2021 erste Weltmeisterin im Wingfoil Race geworden. Davor hast du Titel in anderen Wassersportarten eingeheimst. Was treibt dich an, ständig was Neues auszuprobieren?

Ich war immer Wettkämpferin, ich denke, das habe ich von meiner Mutter geerbt. Sie hat in den Anfangszeiten des Windsurfens regelmäßig an Regatten teilgenommen, und natürlich wollte ich das auch. Mit zwölf Jahren begann ich zu windsurfen und wurde 2011 Jugend-Vizeweltmeisterin im Slalom. Dann habe ich ein paar World Cups mitgemacht, konnte aber nicht so die Unterstützung bekommen, die ich damals gebraucht hätte. Und dann kam plötzlich Stand-Up-Paddling auf.

2021 holte sie ihren ersten WM-Titel im Wingfoilen
2021 holte sie ihren ersten WM-Titel im Wingfoilen
Auf dem SUP holte Olivia Piana drei WM-Titel
Auf dem SUP holte Olivia Piana drei WM-Titel
Ihre absolute Leidenschaft sind lange Downwinder of dem Foil
Ihre absolute Leidenschaft sind lange Downwinder of dem Foil
Olivia sammelte auch Erfahrungen auf dem IQFoil
Olivia sammelte auch Erfahrungen auf dem IQFoil
Auch mit dem Wing geht Olivia gerne in die Welle
Auch mit dem Wing geht Olivia gerne in die Welle
2021 holte sie ihren ersten WM-Titel im Wingfoilen
2021 holte sie ihren ersten WM-Titel im Wingfoilen
Auf dem SUP holte Olivia Piana drei WM-Titel
Auf dem SUP holte Olivia Piana drei WM-Titel
Auf dem SUP holte Olivia Piana drei WM-Titel
Ihre absolute Leidenschaft sind lange Downwinder of dem Foil
Olivia sammelte auch Erfahrungen auf dem IQFoil
Auch mit dem Wing geht Olivia gerne in die Welle
2021 holte sie ihren ersten WM-Titel im Wingfoilen

Was hat dich am SUPen so fasziniert?

Es war eine neue Community, Leute kamen aus verschiedenen Wassersportarten, aber auch vom Laufsport und Triathlon. Die Vibes auf den Events waren am Anfang sehr entspannt – ohne Druck und einzig vom Willen geprägt, etwas Neues aufzubauen. Und auch, dass Frauen beim SUPen von Anfang an auf Augenhöhe behandelt wurden, war ein gutes Gefühl. Da hieß es immer: Es gibt gleiches Preisgeld für Männer und Frauen. Wenn dir das nicht passt, zieh’ Leine.

Ist Wingsurfen deiner Ansicht nach ein attraktiver Sport für Frauen?

Absolut! Denn Wingfoilen ist weniger physisch und generell für junge Leute total attraktiv. Letztlich geht es für den Nachwuchs aber immer darum, Vorbilder zu haben, die das auf einem professionellen Level betreiben. Und da sehe ich leider schon jetzt, dass viele alte Fehler und Denkweisen weiterleben.

Es gibt gleiches Preisgeld für Männer und Frauen. Wenn dir das nicht passt, zieh’ Leine.

Wie meinst du das? Was läuft denn da deiner Ansicht nach schief?

Auf der Tour der GWA (Global Wingsports Association, die Red.) haben sie die Frauen schon gerne dabei. Aber man scheut sich davor, gleiche Verhältnisse und Anreize zu schaffen. Wie oft habe ich mir von männlichen Teilnehmern – deren Namen ich jetzt besser nicht nenne – anhören müssen, dass Frauen schlechter sind als Männer. Dass das Level auf den Events bei den Frauen nicht gut genug ist, und es deshalb okay für uns sein müsste, weniger Preisgeld zu bekommen. Der Sport ist erst ein Jahr alt! Das Einzige, was schlecht ist, ist die Denkweise dieser Leute. Auf der PWA Windsurf Tour war es seinerzeit leider ähnlich – niemand glaubte an Frauenpower. Man muss Anreize schaffen über Gleichbehandlung, dann werden automatisch auch mehr Frauen dazukommen – und das Level wird steigen. Es geht darum, Respekt zu haben vor denen, die ihr ganzes Leben einem Sport oder Lifestyle verschreiben. Letztendlich zeigt die Ungleichbehandlung auf den Events nur ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Auch im Freestyle ist Olivia Piana mittlerweile fit – 2021 wurde sie Vize-WeltmeisterinFoto: Ana Caterina
Auch im Freestyle ist Olivia Piana mittlerweile fit – 2021 wurde sie Vize-Weltmeisterin

Ist die vermeintlich so weltoffene Surf-Community am Ende ziemlich intolerant?

In Teilen schon. Aber sie sollen ruhig ihr Ding machen. Ich habe die Hoffnung, dass Organisatoren aus anderen Bereichen kommen und Events veranstalten werden, wo auf Gleichberechtigung mehr Wert gelegt wird. Das kann eine neue Richtung vorgeben, wenn dort genügend Frauen an den Start gehen.

Woran liegt es deiner Ansicht nach, dass du letztes Jahr in der Disziplin Foil Race den Titel gewinnen konntest?

Ich denke, dass ich von meinen Vorerfahrungen viel profitiert habe. Windsurfen mache ich ja seit langer Zeit und 2020 war ich für ein Jahr im nationalen IQFOiL-Team (IQFOiL ist die neue olympische Windsurf-Disziplin für die Spiele 2024, die Red.). Da lernt man viele Sachen wie den fliegenden Start – generell auch was über das Feeling und Tuning des Foils. SUP-Foilen ist ohnehin meine absolute Lieblingsaktivität: bei 40 Knoten aufs SUP und dann 20 Kilometer nach Lee die endlosen Dünungswellen surfen, das ist so großartig! Da war der Weg zum Wingfoilen natürlich nicht mehr weit. Hinzu kommt, dass ich mir auf Events meist keinen Kopf mache. Bei meinem ersten Wingfoil World Cup habe ich teilgenommen, obwohl ich kaum springen konnte. Eine Woche später habe ich die ersten 360er gestanden, es war so cool mit Gleichgesinnten einfach dabei zu sein. Sport ist für mich immer mehr als die Aktivität und das Ergebnis, es ist die Community, die es ausmacht.

Foto: Ana Caterina

Aktuell fahren die Leute auf der Wingfoil World Tour die gleichen Wings im Freestyle wie im Racing, alles ist noch ziemlich basic. Wie lange dauert es, bis hier alles spezialisiert wird?

Klar, es wird eine Spezialisierung geben, aber das ist ja auch normal. Wingsurfen wird ein sehr diverser Sport werden, das lässt sich nicht verhindern.

Deine Olympia-Pläne auf dem Windsurfer hast du bereits wieder ad acta gelegt. Wo setzt du in Zukunft deinen Fokus?

Das Level im Feld war beim IQFOiL einfach krass – und auch das Investment sehr hoch. Wer es zu den Olympischen Spielen schaffen will, muss dem alles unterordnen. Das ist nicht mein Ding. Ich habe zu viele andere Pläne: Long-Distance-Rennen auf dem SUP-Foil – ich trainiere für das „Molokai to Oahu“ im nächsten Jahr, bei dem es knapp 35 Kilometer mit dem Wind über den Ozean geht. 2022 werde ich auch ein SUP-Rennen über 80 Kilometer hier in Frankreich fahren. Und dann träume ich noch davon, mich allmählich in die Big Wave Szene reinzufuchsen. Gerne würde ich mal die Riesenwelle von Nazaré auf dem Foil surfen.

Wie trainierst du dafür?

Ich laufe sehr viel, muss für Nazaré aber viel Atem- und Schwimmtraining machen und lernen, auf immer kleineren Foils zu fahren, auf denen die hohen Geschwindigkeiten in großen Wellen möglich sind. Das Gute ist, dass ich jahrelang als Triathletin gelernt habe, mich auch mal zu quälen. Ich habe einen Trainingsplan, den mir ein Coach ausarbeitet, daran halte ich mich. Beim Wingen genieße ich die Vibes und möchte bei den She Wings Events mehr Frauen fürs Wingen begeistern.

Wie sind deine Pläne auf der Wing Tour? Mission Titelverteidigung?

Wie gesagt, ich bin mit einigen Dingen auf der Tour nicht so happy und sehe nicht ein, hier all mein Herzblut zu investieren. Wir werden sehen...

Olivia PianaFoto: Ana Caterina
Olivia Piana

Du willst wissen, was Olivia Piana gerade so macht? Dann findest du HIER ihre Website mit allen Infos.