InterviewFoils für Welle & Freestyle - Tipps von Henning Nockel

Manuel Vogel

 · 05.12.2022

Interview: Foils für Welle & Freestyle - Tipps von Henning Nockel
Foto: Toby Bromwich

Welche Foils für die Welle und zum Freestylen sinnvoll sind und was Aufsteiger oft falsch machen, verrät Wingsurf-Pro Henning Nockel im Interview.

Henning Nockel gehört nicht nur zu den besten deutschen Wingsurfern in Welle und Freestyle, sondern ist bei Fanatic und Duotone auch in die Test- und Entwicklungsarbeit eingebunden. Wir haben ihn gefragt, was Wingfoiler*innen, die den Einstieg in die Welle und ins Freestylen machen wollen, bei der Wahl des passenden Foils beachten sollten.

Henning, Foils eröffnen eine ganz neue Dimension und erlauben es, selbst Miniwellen lange abzureiten. Die Frage, welche Foils man dafür verwenden sollte, wird von Wave-Einsteigern oft gestellt. Was sollte man generell beachten?

Wer auf dem Foil mal eine Welle runtergefahren ist, ist schnell fasziniert. Von außen sieht das manchmal gar nicht so spektakulär aus, aber die Energie der Welle wird auf dem Foil auf faszinierende Weise deutlich. Auch wenn es die Industrie nicht so gerne hören wird, rate ich immer, für den Einstieg das Foil zu verwenden, was man auch auf Flachwasser verwendet.

Henning Nockel ist für Fanatic und Duotone auch in die Test- und Entwicklungsarbeit eingebunden Foto: Toby Bromwich
Henning Nockel ist für Fanatic und Duotone auch in die Test- und Entwicklungsarbeit eingebunden

Das klingt so, als wäre jedes Foil auch für die Welle geeignet?!

Natürlich gibt’s große Unterschiede. Aber wenn du 95 Kilo wiegst, meistens am See im Binnenland wingst und einen dicken 1800er Frontflügel fährst, dann benutze ihn auch erstmal in der Welle, auch wenn alle dir erzählen, dass der Flügel viel zu groß ist. Statt dir ein radikales kleines Foilset zu kaufen, such dir lieber einen Spot mit Bedingungen, die zu dir passen, am besten mit runden Wellen. Kontrolle ist auch in der Welle Trumpf.

Auf dem Markt wird generell zwischen High-aspect-Foils (= viel Spannweite im Verhältnis zur Fläche) und “Low-aspect-Foils” (=geringe Spannweite im Verhältnis zur Fläche) unterschieden. Was sind die Stärken und Schwächen der verschiedenen Foiltypen?

Generell sind die Übergänge fließend, aber stark verallgemeinert kann man sagen: High-aspect-Foils haben aufgrund ihrer Spannweite einen besseren Glide. Das bedeutet, dass sie auch bei drucklosen Wellen oder sehr runden Sections mit gutem Speed weiterfliegen. Wen man also primär an Spots unterwegs ist, wo man kleine, drucklose Dünungswellen hat, kann das genau das Passende sein. Low-aspect-Foils sind aufgrund der geringen Spannweite meist drehfreudiger und agiler, man kann damit engere Radien fahren. Das liegt oft auch daran, weil die Flügelspitzen hier etwas höher sitzen als die Fuselage, das Foil kann dann besser um die Längsachse rollen.

Wenn du in die Welle willst, nimm das Foil mit dem du dich wohlfühlst

Was sind in deinen Augen die Schattenseiten der beiden Foiltypen?

Wie gesagt, beides hat seine Berechtigung, je nachdem, was man von Foils für die Welle erwartet. Flügel mit größerer Spannweite sind natürlich bezüglich der Radien limitiert, man surft dann eher weite Bögen, was aber auch toll sein kann. Bei langsam laufenden Wellen, kann es dann passieren, dass man der Welle davon fährt, wenn man nur geradeaus runter ins Wellental fährt. Man muss daher etwas Strecke machen und sich durch Turns am Wellenrücken halten.

Kontrolle ist Trumpf, egal ob beim Wellenabreiten oder zum Springen Foto: Toby Bromwich
Kontrolle ist Trumpf, egal ob beim Wellenabreiten oder zum Springen

Welchen Einfluss hat die Länge der Fuselage auf die Fahreigenschaften?

Generell wird das Setup drehfreudiger, wenn man eine kürzere Fuselage verwendet. Aber auch hier warne ich davor, zu kurz zu gehen, weil eine kürzere Fuse das Foil auch immer anspruchsvoller macht. Und wer die Hälfte der Session im Wasser liegt, wird nicht besser. Ich bin einige Zeit eine 60 Zentimeter kurze Fuselage gefahren, bin dann aber wieder zurück auf die längere 68er gewechselt. Dadurch habe ich etwas Drehfreudigkeit verloren, aber dafür sind die Turns einfach kontrollierter und smooth. Das ist auch der Anspruch, den ich an mein Waveriding habe - es soll geschmeidig und flüssig aussehen. Beim Board ist es das gleiche: Viele Leute denken, wenn sie in die Welle wollen, brauchen sie ein winzig kleines Brett. Das ist ein Fehler. In der Welle musst du nach einem Crash schnell wieder starten können, also nimm ein Board mit ausreichend Volumen und ein nicht zu kleines Foil.

Welche Foilgröße macht in der Welle Sinn?

Das hängt natürlich extrem vom Gewicht, Können, Foiltyp und der Windstärke ab. Wie gesagt: Nimm die Foilgröße, die du auch auf Flachwasser bei diesem Wind fahren würdest. Bei mir mit knapp über 70 Kilo Gewicht ist das oft ein Frontflügel mit 800 cm2 Fläche. Wenn du schwerer bist, muss der Flügel natürlich größer sein, auch mit einem 1800er Frontflügel kann man in der Welle anfangen.

Henning nutzt seine Foils disziplinübergreifend für Welle und Freestyle Foto: Toby Bromwich
Henning nutzt seine Foils disziplinübergreifend für Welle und Freestyle

Trotzdem kann die Größe der Frontflügels ja auch ein limitierender Faktor sein, oder?

Klar. Letztlich geht es immer um Speed und Kontrolle. Wenn die Welle druckvoll wird, kommt ein großer Frontflügel irgendwann an sein Speedlimit, dann steigt das Foil und man kann es nicht mehr kontrollieren. Je größer und druckvoller die Welle also wird, desto kleiner muss man den Frontflügel wählen. Kleine Flügel sind eben einfach schneller. Aber man sollte nicht den Fehler machen und zu kleine und dünne Frontwings wählen, denn jeder Fahrfehler wird dann mit einem Absturz bestraft. Außerdem besteht die Gefahr, dass man nach einem Crash nicht mehr aufs Foil kommt.

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Dein abschließender Tipp für alle Wave-Einsteiger?!

Fange mit einem Foil an, auf dem du dich wohlfühlst. Suche dir einen Spot, der moderat ist. Wenn du dich in der Welle sicher fühlst, beginne einzelne Komponenten deines Foils upzugraden - z.B. über einen schnelleren Front- oder Backwing, oder eine etwas kürzere Fuselage.

Nutzt du das gleiche Foil auch zum Freestylen?

Ja, im Prinzip unterscheide ich da nicht. Auch hier will ich mich wohlfühlen und nicht ständig das Setup wechseln.

Foto: Toby Bromwich
Foto: Toby Bromwich

Gerade im Freestyle werden extrem kleine Flügel gefahren, oder?

Auf Profi-Niveau stimmt das, viele Pros fahren Frontflügel mit nur 600 cm2 Fläche. Hier gilt: Je kleiner, desto schneller. Und wenn du aus dem Flachwasser einen Backflip oder 720 machen willst, brauchst du natürlich Speed und Höhe. Allerdings ist das ein schmaler Grat und am Ende lernst du viele Moves schneller, wenn du mehr Versuche hast. Wer also die Hälfte der Session rumsteht weil das Foil zu klein ist, ist auf dem Holzweg. Für Basic-Moves wie 360s gibt’s ohnehin kaum Einschränkungen. Auch mit einem 1800er Foil kannst du ’nen 360 lernen.

Danke Henning für das Gespräch!

Henning Nockel Foto: Toby Bromwich
Henning Nockel

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