Neue Wingsurf-Marke Vayu – Interview mit Gründer Philip HornFoto: Bulgenslag

PeopleNeue Wingsurf-Marke Vayu – Interview mit Gründer Philip Horn

Manuel Vogel 

31.3.2021, Lesezeit: 4 Minuten

Mit dem Wingsurf-Boom schießen neue Marken wie Pilze aus dem Boden. Eine davon ist Vayu, die sich mit einem eigenen Boomsystem von anderen Marken abheben will. Wir haben mit Markengründer Philip Horn über die Hintergründe gesprochen.

Philip, mit der Idee einer eigenen Wing-Marke bist du aktuell nicht ganz allein – in der Branche herrscht gerade Goldgräberstimmung. Was hat dich trotzdem dazu bewogen, mit Vayu deine eigene Brand auf die Beine zu stellen?

Eine eigene Marke hatte ich schon lange im Kopf. Ich vertreibe ja mit meiner Firma Liquid Sports seit Jahren Marken wie die Neoprenmarke XCEL und F1, aber aufgrund der Lieferengpässe habe ich seinerzeit überhaupt kein Wing-Material bekommen. Um mich herum haben Anfang 2020 alle angefangen, mir um die Ohren zu springen – nur ich hatte kein passendes Equipment (lacht) und bin lange mit meinem 7’0er SUP rumgefahren. Wir haben uns dann auf dem Markt umgesehen, was es so an Boards gibt und haben in Portugal erste Prototypen für uns in Auftrag gegeben. Dann kam Eines zum Anderen. Der Designer von Liquid Force, William Hansen, war auf dem Markt, also haben wir ihn ins Team geholt. Dann kam ein Freund dazu, der zuvor bei Adidas gearbeitet hatte und so hat sich unser Team Stück für Stück zusammengesetzt.

Teamfahrerin der ersten Stunde – Steffi Wahl.Foto: Bulgenslag
Teamfahrerin der ersten Stunde – Steffi Wahl.
Teamfahrerin der ersten Stunde – Steffi Wahl.Foto: Bulgenslag
Teamfahrerin der ersten Stunde – Steffi Wahl.

Würdest du sagen, dass die Hürden, ein Foilboard zu entwickeln, niedriger sind als in anderen Wassersportarten? Einfach deshalb, weil Foilboards im Normalfall keinen Wasserkontakt haben und der Shape damit eher zweitrangig ist?

Man kann natürlich Irgendwas zusammenschustern, mit dem man halbwegs fahren kann. Insgesamt aber würde ich nicht sagen, dass es so easy ist, etwas wirklich Gutes zu machen. Schlaufenpositionen und Shape müssen absolut passen. Man sieht, dass sich gerade alles rasend schnell entwickelt und viele Sachen, die jetzt auf den Markt kommen, sind eigentlich schon wieder überholt – vor allem bei den Wings.

Der Trend wird zur Booms und festen Griffen gehen, weg von den Handles

Lass uns noch kurz bei den Board bleiben. Würdest du sagen, dass man als Neueinsteiger immer Brett und Foil von der gleichen Marke wählen sollte, damit alles zusammenpasst?

Ich denke, es muss nicht unbedingt von der gleichen Marke sein. Wichtiger ist, dass man den richtigen Foiltyp wählt und eine passende Brettgröße.

Was sind diesbezüglich deine Empfehlungen für Neueinsteiger?

Wer Vorerfahrung aus anderen Wassersportarten hat, kann mit einem Wingboard, welches 30 bis 40 Liter mehr Volumen als sein Körpergewicht hat, gut anfangen. Dazu braucht man ein Foil mit einer “low aspect ratio”, also einem Frontflüge, der dick profiliert ist und eine breite Flügelform hat. Solche Foils sind zwar etwas langsamer, aber sie laufen sehr stabil und heben früh ab. Sobald man mehr Übung hat, kann man auf ein Foil mit einer “high aspect ratio” wechseln, diese haben dann schlanke Frontflügel mit mehr Spannweite und dünnerer Profilierung. Dadurch sind sie zwar etwas sensibler zu surfen, werden aber schneller und bieten damit mehr Potential für Sprünge und Tricks. Auch ein SUP kann zu Beginn eine richtig gute Möglichkeit sein, um anzufangen. Ich hatte selbst lange damit meinen Spaß und wenn man im Binnenland wohnt und nicht immer 10-12 Knoten Wind hat, ist das ideal.

Die Wings auf dem Markt unterscheiden sich auch stark anhand ihrer Griffsysteme. Ihr habt da ein eigenes Konzept entwickelt. Erkläre doch mal kurz die Vorzüge.

Wir haben unser eigenes Boom-System. Es handelt sich um einen Boom, der in der Mitte geteilt und fest mit der Strut verbunden ist. Dadurch lässt sich der Wing an dieser Stelle falten, was das Packmaß reduziert. Trotzdem hat man keine zusätzlichen Teil, die man einbauen muss und ein System, bei dem man einen festen und direkten Kontakt zum Wing hat, wodurch man diesen in Manövern viel genauer und direkter dirigieren kann. Ich denke, dass viele Marken in Zukunft weg von den weichen Handles gehen und auf Boom-Systeme wechseln werden. Was das Profil betrifft, haben unsere Wings eine recht straffe Abstimmung und hohes Speedpotential, damit man auch mal abheben kann.

Bei Vayu ist der Boom in der Mitte unterteilt und fest mit der Strut verbunden.Foto: Hersteller
Bei Vayu ist der Boom in der Mitte unterteilt und fest mit der Strut verbunden.
Bei Vayu ist der Boom in der Mitte unterteilt und fest mit der Strut verbunden.Foto: Hersteller
Bei Vayu ist der Boom in der Mitte unterteilt und fest mit der Strut verbunden.

Wie sieht die Vayu-Produktpalette aktuell aus?

Es gibt unseren Wing in vier Größen – 3,4/4,4/5,4 & 6,4 qm. Bei den Boards gibt’s das Einsteigerboard FLY in drei Größen sowie das Fortgeschrittenen-Brett FLYR und sogar ein reinrassiges Schulboard mit 6´2er Länge, 190 Liter Volumen und einsetzbaren Mittelfinnen. Damit kann man sich dann in Ruhe bei wenig Wind einfahren und irgendwann die Finnen gegen ein Foil tauschen. Und bald wird es auch ein aufblasbares Wingsurfboard geben.

Weitere Infos zu den Produkten von Vayu findest du hier