Wingfoilen mit Trapez – macht das Sinn? Basics und ErfahrungsberichtFoto: Slingshot

Wingsurf-Manöver für FortgeschritteneWingfoilen mit Trapez – macht das Sinn? Basics und Erfahrungsbericht

Manuel Vogel

 12/20/2021, Lesezeit: 4 Minuten

Wingfoilen mit Trapez – das ist möglich. Aber ob es auch sinnvoll ist und was es bei Trapez, Tampen und Fahrtechnik zu beachten gibt, erfahrt ihr hier.

Die Wings der neuesten Generation haben an der Mittelstrut meist kleine Schlaufen, an denen man Trapeztampen montieren kann. Trotzdem verzichtet der Großteil der aktiven Wingsurfer *innen noch auf ein Trapez und das, obwohl viele Quereinsteiger aus dem Kite- und Windsurfen damit eigentlich vertraut sind.

Wingfoilen mit Trapez – die Grundidee

Weil nicht jeder mit den Begriffen vertraut ist, hier zuerst mal die Grundlagen: Ein Trapez ist ein Hüftgurt mit einem Haken, mit dem man sich im Trapeztampen einhaken kann. Auf diese Weise muss man den Zug des Wings nicht komplett mit den Armen halten, sondern setzt das Körpergewicht entgegen, wodurch die Arme spürbar entlastet werden können. Beim Windsurfen und Kiten gehören Trapeze längst zur Standardausrüstung.

Tipps zu Trapez und Tampen

Wer mit Trapez Wingen möchte, braucht dazu einen Trapeztampen und ein passendes Trapez. Der Tampen ist meist sehr simpel gehalten und wird einfach an den dafür vorgesehen Ösen an der Mittelstrut des Wings angeknüpft. Die Gesamtlänge des Tampens sollte nicht zu kurz sein und ist deutlich länger, als man es z.B. vom Windsurfen oder Kiten kennt. Die ideale Tampenlänge liegt meist zwischen 95 und 110 Zentimetern (37-43 Inch), abhängig von Körpergröße und persönlichem Geschmack.

Der Trapeztampen wird an kleinen Ösen an der Mittelstrut befestigtFoto: Manuel Vogel
Der Trapeztampen wird an kleinen Ösen an der Mittelstrut befestigt

Bezüglich der Trapeze gibt es zwei Möglichkeiten: Wer Vorerfahrungen vom Windsurfen oder Kiten mitbringt und bereits ein Hüfttrapez besitzt, kann dieses natürlich auch zum Wingfoilen verwenden. Einzig die Verwendung einer Hüftleash fällt dann flach (Tipps zum Thema Leash gibt’s HIER).

Die zweite Möglichkeit fürs Wingfoilen mit Trapez sind spezielle Wing-Trapeze. Diese bestehen nur aus einem verstellbaren Hüftgurt an dem ein einfacher Haken sitzt. Der Fokus liegt hier weniger auf Komfort, dafür kann man diese auch mit einer Hüftleash kombinieren und der Haken kann seitlich wandern.

Hüfttrapez (links) vs. Wing-Trapez (rechts)Foto: Manuel Vogel
Hüfttrapez (links) vs. Wing-Trapez (rechts)

Wir haben beide Systeme zum Wingsurfen ausprobiert, hier folgt unser Erfahrungsbericht:

Wingfoilen mit Trapez – ein Erfahrungsbericht

Ehrlich gesagt hatten auch wir das Trapez beim Wingen bisher nicht vermisst, schließlich sind die Wings leicht und der Fahrwiderstand des Foils im Wasser, verglichen mit einem Windsurf- oder Kiteboard, eher gering – wodurch sich die Belastung der Arme in Grenzen hält.

Am Beispiel der aktuell verfügbaren Wing-Trapeze und der dazugehörigen Tampen erkennt man, dass diese sehr minimalistisch und auf wenig Grundzug ausgelegt sind: Der Tampen ist dünn, das Trapez im Prinzip nur ein schmaler Hüftgurt, ohne Polsterung und mit einem Plastikhaken versehen.

Wer mit Trapez fährt, kann auch mal die Hände vom Wing lösenFoto: Manuel Vogel
Wer mit Trapez fährt, kann auch mal die Hände vom Wing lösen

Beim ersten Starten bekommt unser Testfahrer gleich mal ein paar Schattenseiten zu spüren: Beim Aufsteigen aufs Board muss man plötzlich aufpassen, nicht gleich den Haken im Deck zu verewigen, beim Anpumpen hakt man sich zu Beginn gerne mal versehentlich ein, denn der dünne Tampen baumelt sehr loose. Natürlich pumpt man immer ausgehakt an, erst wenn man auf dem Foil surft, hakt man sich dann ein. Das Grundgefühl im Trapez ähnelt dem beim Windsurfen oder Kiten. Allerdings merkt man auch sofort, dass die schmalen Wing-Trapezgurte (wir verwendeten ein Modell von Forward-WIP) definitiv nicht auf Komfort ausgelegt sind, sondern den Rücken sehr punktuell belasten und auf Dauer auch spürbar einschneiden. Dafür kann der Kunststoffhaken bei solchen Modellen seitlich wandern, wodurch man auch in verdrehter Fußstellung (”Switch-Stance”) eingehakt weiterfahren kann.

Die schmalen Trapezgurte belasten punktuell, sind aber auch mit Hüftleash kombinierbar.Foto: Manuel Vogel
Die schmalen Trapezgurte belasten punktuell, sind aber auch mit Hüftleash kombinierbar.

Mit dem normalen Hüfttrapez fühlen wir uns zu Beginn noch spürbar wohler – trotzdem ertappen wir uns irgendwann dabei, dass wir doch überwiegend ausgehakt surfen und diese Freiheiten auch sehr genießen.

Gewisse Vorteile lassen sich aber mit zunehmender Dauer unserer Testsession nicht wegdiskutieren: Das Problem, dass man nach Manövern, oder wenn sich mal wieder die Leash ums Handgelenk gewickelt hat, die vordere Hand nicht so ohne Weiteres vom Wing lösen kann, kennt jeder. Mit Trapez ist das kein Problem mehr: Einfach kurz einhaken, Hand wechseln oder Leash ausdrehen und entspannt wieder zurück zum Wing greifen. Auch ein Ausschütteln der Hände während einer kalten Wintersession ist plötzlich kein Problem mehr.

Wing-Fazit:

Ob Wingfoilen mit Trapez sinnvoll ist, wollen wir an dieser Stelle noch nicht abschließend beurteilen. Wer viel mit müden Armen zu kämpfen hat und das Trapezsurfen ausprobieren möchte, sollte in jedem Fall ein normales Hüfttrapez verwenden und kann dann kraftsparender und vor allem komfortabel Wingen. Wer nur kurze Trapezphasen braucht (z.B. Zum schnellen Ausdrehen der Leash oder zum Aufwärmen der Hände im Winter), oder auf seine Hüftleash nicht verzichten möchte, ist mit einem abgespeckten Wing-Trapez am besten beraten. Wing-Einsteigern würden wir definitiv von der Verwendung eines Trapezes abraten, da es die Sache unnötig verkompliziert und die Gefahren von Stürzen und Materialbeschädigungen durch den Haken zusätzlich steigen. Für den Großteil der Wingsurfer*innen wird es vermutlich erstmal ohne Trapez weitergehen – uns inklusive.