So findest du den richtigen Foil-Typ für deine Ansprüche

Manuel Vogel

 · 20.05.2021

So findest du den richtigen Foil-Typ für deine AnsprücheFoto: Manuel Vogel

Auch bei Foils haben Wingsurfer die Qual der Wahl. Welchen Foil-Typ man auswählen sollte, wie sich diese unterscheiden und welche Stärken und Schwächen sich für unterschiedliche Zielgruppen wie Wingfoil-Einsteiger, Freestyler und Wave-Foiler dabei ergeben, haben wir exemplarisch ausprobiert.

Die Fahreigenschaften von Foils hängen maßgeblich vom Frontflügel ab. Nahezu jeder Hersteller bietet, neben unterschiedlichen Größen, auch verschiedene Flügel-Typen an, die markenübergreifend unter den Bezeichnungen “High-aspect Foils” und “Low-aspect Foils” verkauft werden. Welcher Foil-Typ für dich geeignet ist, haben wir ausprobiert.

Hinweis: Wenn du generelle Fragen zu den Foil-Begriffen hast oder Tipps zur richtigen Größe des Frontflügel suchst, findest du diese hier.

Was verrät die “Aspect Ratio” über den Foil-Typ?

Der englische Begriff “aspect ratio” beschreibt im Prinzip nichts anderes als das Verhältnis von Spannweite zu Fläche. Tiesda You, Foil-Designer bei Starboard, erklärt die Zusammenhänge: “Flügel mit viel Spannweite und weniger Fläche haben eine „high aspect ratio“. Umgekehrt haben Flügel mit viel Fläche im Verhältnis zur Spannweite eine „low aspect ratio“ – das sind dann also breitere Flügel mit weniger Spannweite und dickeren Profilen”.

Low-aspect Flügel (oben) sind dicker profiliert und haben in der Regel eine geringer Spannweite als High-aspect Foils (unten)Foto: Manuel Vogel
Low-aspect Flügel (oben) sind dicker profiliert und haben in der Regel eine geringer Spannweite als High-aspect Foils (unten)

Die Frage, für welchen Foil-Typ man sich entscheiden sollte, hat auch uns beschäftigt. Also haben wir von zwei Marken jeweils ähnlich große Flügel unterschiedlichen Typs miteinander verglichen – low aspect gegen high aspect.

Los ging’s mit dem Starboard E-Type 1700, einem schlanken High-aspect Flügel: Raus aufs Wasser, anpumpen, ein paar Runs auf Maximalspeed beschleunigen, einige Manöver fahren, Jumps nicht vergessen und dann zurück an den Strand, wo das Low-aspect Foil Starboard S-Type schon bereitlag. Schnell den Flügel tauschen und wieder raus, um das gleiche Programm nochmal abzuspulen. Dieses Prozedere haben wir an zwei Tagen mit unterschiedlichen Bedingungen wiederholt.

Um unsere subjektiven Eindrücke zu verifizieren, haben wir den Speed auch mit einem GPS-Tracker erfasst. Die Ergebnisse sind natürlich nicht 1:1 auf alle Foils anderer Marken übertragbar, dürften aber durchaus repräsentativ sein und können euch damit bei der Entscheidungsfindung helfen:

Take-off & Speed

Aufgrund der dünneren Profilierung hebt der High-aspect Flügel einen Tick später ab, benötigt also eine geringfügig höhere Startgeschwindigkeit als der dickere Low-aspect Flügel. Allerdings ist bei Letzterem auch der Fahrwiderstand beim Anfahren etwas größer. Unserem Eindruck nach waren die Unterschiede beim reinen Abheben nur marginal, auch weil das Abheben beim Wingfoilen meist ohnehin mit entsprechender Pumparbeit verbunden ist. Größer sind die Unterschiede beim Verhalten in Windlöchern – hier bleibt der dicke S-Type Flügel (”low aspect”) spürbar länger oben und sackt erst bei gefühlter Schrittgeschwindigkeit ab, während dem ähnlich großen aber dünner profilierten E-Type schon früher die Puste ausgeht. Beim Speed sind die Unterschiede ebenfalls nicht wegzudiskutieren - wenngleich diese geringer als erwartet ausfielen: Mit dem dickeren S-Type Flügel cruist man gemütlich – in unserem Fall, bei zehn bis 13 Knoten Wind und einem 5,4er Wing – mit knapp 30 km/h übers Wasser. Das schlankere E-Type Foil war laut GPS-Aufzeichnung 2-3 km/h schneller. Positiv umsetzen lässt sich der Speedvorteil des High-Aspect Flügels E-Type vor allem beim Springen – je größer der Speed bei Absprung, desto höher logischerweise auch der Sprung.

Der höhere Grundspeed von High-aspect Foils hilft vor allem bei SprüngenFoto: Marius Gugg
Der höhere Grundspeed von High-aspect Foils hilft vor allem bei Sprüngen

Kontrolle & Pumpen

Für Jedermann spürbar sind die Unterschiede auch bei der Kontrolle. Der schnellere High-aspect Flügel reagiert deutlich sensibler auf Fehlbelastungen. Wer also dem Foil im Wellental mal kurz ungewollt Frischluft verpasst, hat schneller mit Strömungsabriss zu kämpfen, als beim stabiler angeströmten Low-aspect Foil S-Type, welches sich oft wieder fängt und den Surfer oben hält. Aufgrund ihrer Gutmütigkeit wird dieser Foil-Typ auch für die Anfängerschulung verwendet. Anders sieht es beim Thema Gleiten auf Dünungswellen aus: Hier sind High-aspect-Foils mit ihrer gestreckten Flügelform klar im Vorteil. Bereits runde und kraftlose Dünungswellen lassen sich damit nahezu ohne Zutun des Piloten abreiten.

Das Surfen kleiner Dünungswellen gelingt mit einem dickeren Low-aspect Flügel besserFoto: Bulgenslag
Das Surfen kleiner Dünungswellen gelingt mit einem dickeren Low-aspect Flügel besser

Welcher Foil-Typ? Das WING-Fazit:

Unser Vergleich hat gezeigt: Jeder Foil-Typ hat seine Berechtigung. Wenn es ums reine Abheben geht, sind die Unterschiede marginal, wer aber auf böigen Binnenrevieren Wingen will und ein Foil sucht, welches in Windlöchern und Manövern möglichst lange in der Luft bleibt, sollte sich eher zu einem Flügel mit einer low aspect ratio orientieren.

Die dünner profilierten und schlankeren Flügelformen typischer High-aspect Foils haben hingegen Vorteile, sobald es um sportliches Wingsurfen, Speed und Springen geht. Wer also Jumps und Freestyletricks anstrebt oder auf perfekten “Glide” vor kleinen Dünungswellen schielt, fährt mit einem High-aspect Flügel in Summe besser.