Wingsurfen lernen – die passende  BrettgrößeFoto: Toby Bromwich

How to WingsurfWingsurfen lernen – die passende Brettgröße

Manuel Vogel 

22.3.2021, Lesezeit: 5 Minuten

Wingsurfen lernen ist nicht schwer, vorausgesetzt, man hat passendes Material. Wie beim Windsurfen, Kiten oder SUPen benötigt man für die ersten Versuche ein Board mit genügend Auftrieb, sprich Volumen.

Die passende Brettgröße hängt von Fahrkönnen, Körpergewicht und vorhandenen Vorerfahrungen aus anderen Wassersportarten ab.

Typ 1: SUPs & Longboards

Für die ersten Erfahrungen auf dem Wasser muss dein Board groß genug sein. Ralf Madert von Surfers Paradise unterrichtet Wingsurfen schon seit drei Jahren und hat dementsprechend viel Erfahrung: „Ein entsprechend großes Brett ist essenziell, um die Handhabung des Wing erstmal in Ruhe üben zu können. Wer Foil-Vorerfahrung hat, z.B. über Windfoilen, Kitefoilen oder SUP-Foilen, kann auch auf einem kleinen Wingfoilboard anfangen, leichter ist es aber für alle erstmal auf einem Longboard mit Schwert oder SUP.

Die besten Erfahrungen habe ich mit langen Windsurfboards mit Schwert gemacht. Wer SUPs verwenden will, sollte unbedingt beachten, dass das Brett eine Mittelfinne hat, um die seitliche Abdrift bei Leichtwind zu minimieren. WindSUPs bieten die Möglichkeit, eine Centerfinne zu montieren. Bei normalen SUPs hat man diese Möglichkeit im Normalfall nicht. Man kann hier allerdings Abhilfe schaffen über nachrüstbare Centerfinnen, die man einfach ums Board umschnallen kann", erklärt Madert.

Eine Centerfinne oder ein Steckschwert reduziert die seitliche Abdrift bei Leichtwind enormFoto: Hersteller
Eine Centerfinne oder ein Steckschwert reduziert die seitliche Abdrift bei Leichtwind enorm
Eine Centerfinne oder ein Steckschwert reduziert die seitliche Abdrift bei Leichtwind enormFoto: Hersteller
Eine Centerfinne oder ein Steckschwert reduziert die seitliche Abdrift bei Leichtwind enorm

Ideal zum Üben auf dem SUP sind zwei bis vier Windstärken, damit sich der Wing selbst trägt und etwas Zug entwickelt. Für Surfer, die im Binnenland leben und überwiegend an Spots aufs Wasser gehen, an denen Leichtwind die Regel ist, kann ein Longboard oder SUP mit einer Länge von über zehn Fuß auch zur Dauerlösung werden, denn: So attraktiv Wingsurfen auf dem Foil auch erscheinen mag, knapp zehn Knoten Windgeschwindigkeit sind zum Beginn das Minimum, um überhaupt aufs Foil zu kommen. Bei weniger Wind, zum Herumdümpeln, können die viel kürzeren Foilboards nämlich alles schlechter als Longboards oder SUPs – sind sind langsamer, kippeliger und laufen kaum Höhe.

2. Hybridboards

Boards mit Mehrfachnutzen – z.B. zum Wingsurfen, Foil-SUPen und Windfoilen – sind voll im Trend und können den Materialaufwand reduzieren. Alle diese drei Sportarten erfordern Boards, die kompakte Maße haben und trotzdem genügend Volumen bieten, um noch halbwegs sicher an Deck stehen zu können. Unterschiede gibt’s in erster Linie bei Schlaufen- und Foilpositionen: So sind Schlaufen und Foil bei mit Segeln bestückten Windfoilboards deutlich weiter hinten positioniert als z.B. auf Brettern zum SUP-Foilen oder Wingsurfen der Fall. Das bedeutet konkret: Damit Windfoilbretter auch zum Wingsurfen geeignet sind, müssen sie die Möglichkeit bieten, das Foil in einer Schiene weit nach vorne zu schieben. Die Fußschlaufen kann man entweder demontieren, oder ebenfalls weit vorne und innen montieren – dann kann man das Windsurfsegel problemlos gegen einen Wing tauschen.

Zwischen Sportarten wie SUP-Foilen, Windfoilen und Wingsurfen gibt es Überschneidungen, die den Materialaufwand reduzieren könnenFoto: Hersteller
Zwischen Sportarten wie SUP-Foilen, Windfoilen und Wingsurfen gibt es Überschneidungen, die den Materialaufwand reduzieren können
Zwischen Sportarten wie SUP-Foilen, Windfoilen und Wingsurfen gibt es Überschneidungen, die den Materialaufwand reduzieren könnenFoto: Hersteller
Zwischen Sportarten wie SUP-Foilen, Windfoilen und Wingsurfen gibt es Überschneidungen, die den Materialaufwand reduzieren können

Große Überschneidungen gibt es auch bei SUP-Foilboards und Wingsurfboards, denn diese sind sich bezüglich der Foilposition ohnehin sehr ähnlich, wie Klaas Voget, Wingsurfer der ersten Stunde und seit Jahren Teil des Fanatic Designteams, weiß: „Die ersten Boards zum Wingsurfen waren Foil-SUPs, es wurde nur das Paddel durch den Wing ersetzt. Wer also ein Foil-SUP besitzt, kann ohne Adaptionen einfach loslegen. Erfahrenen Wingsurfern sind Foil-SUPs noch etwas zu lang, man macht hier also immer einen Kompromiss“, erklärt Klaas.

Boards zum SUP-Foilen und Wingsurfen sind bezüglich ihres Setups aus Maßen und Foilposition sehr ähnlichFoto: Hersteller
Boards zum SUP-Foilen und Wingsurfen sind bezüglich ihres Setups aus Maßen und Foilposition sehr ähnlich
Boards zum SUP-Foilen und Wingsurfen sind bezüglich ihres Setups aus Maßen und Foilposition sehr ähnlichFoto: Hersteller
Boards zum SUP-Foilen und Wingsurfen sind bezüglich ihres Setups aus Maßen und Foilposition sehr ähnlich

3. Wingsurfboards

Auch spezielle Wingboards müssen zum Lernen kein Tabu sein. Diese zeichnen sich durch sehr kompakte Maße aus (ca. 1,50 bis 2,00 Meter). Allerdings gilt auch hier: Um den Aufstieg zu meistern, muss das Brett genügend Volumen besitzen! Was das richtige Volumen ist, hängt neben dem Gewicht vor allem von den Vorerfahrungen aus anderen Sportarten ab.

Typ 1: Einsteiger ohne Wassersporterfahrung

Um auf einem reinen Wingboard Spaß zu haben, sollten sich Neueinsteiger ohne Vorerfahrung aus anderen Wassersportarten an folgender Faustregel orientieren, um halbwegs sicher starten zu können:

Körpergewicht + 70 bis 80 Liter = empfohlenes Brettvolumen

Es empfiehlt sich, die ersten Versuche in einer Wingsurfschule zu machen, da hier großvolumige Boards vorgehalten werden. Ein derart großes Board zu kaufen, macht recht wenig Sinn. Man riskiert, dass einem dieses bereits nach wenigen Wochen zu groß ist, denn die Lernkurve verläuft zu Beginn sehr steil.

Typ 2: Einsteiger mit Vorerfahrung

Wer bereits Vorerfahrungen aus anderen Wassersportarten wie Windsurfen, Kitesurfen, Surfen oder SUPen mitbringt, hat gute Voraussetzungen, um auch beim Wingsurfen innerhalb weniger Tage abzuheben. Aber auch hier gilt: Um den Aufstieg zu meistern, muss das Brett genügend Volumen besitzen!

Eine grobe Faustregel lautet dann:
Körpergewicht +40/50 Liter = empfohlenes Brettvolumen

Ein 80 Kilo schwerer Surfer mit Vorerfahrung sollte also ein Wingboard mit mindestens 120 bis 130 Litern wählen, um sicher lernen zu können.

Typ 3: Einsteiger mit Foilerfahrung:

Wer bereits Erfahrungen auf einem Windfoil- oder Kitefoilboard gesammelt hat, wird innerhalb weniger Stunden auch auf einem Wingsurfbrett klar kommen und kann bereits mit weniger Volumen einsteigen als bei Neueinsteigern ohne Vorerfahrung der Fall.

Die grobe Faustregel:
Körpergewicht +30 bis 40 Liter = empfohlenes Brettvolumen

Besonders das Aufstehen ist beim Lernen des Wingsurfens eine Herausforderung. Ein Board mit genügend Volumen hilft dann enormFoto: Michael Rossmeier
Besonders das Aufstehen ist beim Lernen des Wingsurfens eine Herausforderung. Ein Board mit genügend Volumen hilft dann enorm
Besonders das Aufstehen ist beim Lernen des Wingsurfens eine Herausforderung. Ein Board mit genügend Volumen hilft dann enormFoto: Michael Rossmeier
Besonders das Aufstehen ist beim Lernen des Wingsurfens eine Herausforderung. Ein Board mit genügend Volumen hilft dann enorm

Typ 4: Erfahrene Wingsurfer

Sobald man seinen Horizont in Richtung erster Sprünge erweitern will, sollte der Wechsel auf ein kleineres Brett samt schnellerem Foil erfolgen. Ziel ist es dann, ein Board zu fahren, was gerade noch genügend Auftrieb für den Start bietet und sich nach dem Abhheben aber schön klein und kompakt anfühlt. Dass man als Könner auch bei 12 Knoten Wind schon Boards fahren kann, die weniger Volumen besitzen als man Körpergewicht hat, liegt daran, dass der Wing immer Zug nach oben produziert und dadurch das Brett entlastet wird.

Eine Faustregel, die Potential für Sprünge und Tricks mit einem Mindestmaß an Aufstrieb vereint, lautet:
Körpergewicht +/– 5 Liter = empfohlenes Brettvolumen

Sobald man in die Luft geht, ist kleiner auch besser – Pros fahren Boards mit deutlich weniger Volumen als das eigene KörpergewichtFoto: Roger Gruetter
Sobald man in die Luft geht, ist kleiner auch besser – Pros fahren Boards mit deutlich weniger Volumen als das eigene Körpergewicht
Sobald man in die Luft geht, ist kleiner auch besser – Pros fahren Boards mit deutlich weniger Volumen als das eigene KörpergewichtFoto: Roger Gruetter
Sobald man in die Luft geht, ist kleiner auch besser – Pros fahren Boards mit deutlich weniger Volumen als das eigene Körpergewicht