Die besten Tipps zum WingskatenFoto: Foivos Tsoupras

How to WingsurfDie besten Tipps zum Wingskaten

Manuel Vogel 

22.6.2021, Lesezeit: 7 Minuten

Wingskaten, das ist Wingsurfen auf Asphalt. Worauf du zum Start achten solltest und warum Wingskaten dich auch auf dem Wasser besser macht, erklärt dir Anton Munz.

Von Anton Munz

Was ist Wingskaten?

Wingskaten – was ist das überhaupt? Bisher war allgemein nur der Begriff “Windskaten”, also Windsurfen an Land, geläufig. Alternativ einen Wing als Antrieb zu nutzen, liegt nahe. Alles, was man braucht, ist ein Wing und ein rollender Untersatz – ein Skateboard oder gar Inlineskates – und schon kann es selbst bei der schwächsten Brise losgehen. Das Ganze macht nicht nur unglaublich viel Spaß und lässt den leichtesten Windhauch interessant werden, sondern ist auch die einfachste Möglichkeit, das Wingen auf dem Wasser zu lernen. Wingskaten ebnet den Weg zum Wingsurfen und Foilen, denn die Wingsteuerung an Land und auf dem Wasser sind nahezu identisch. Ihr fahrt ohne Wellengang stabil auf einem Skateboard, je weniger ihr euch also am Anfang auf das Board konzentrieren müsst, desto schneller und effizienter lernt ihr, mit eurem Wing umzugehen. Zudem wird ein Skateboard – insbesondere ein Surfskateboard – in ähnlicher Weise wie ein Foilboard gesteuert.

Wingskaten ist deshalb eine Faszination für alle – egal ob für Novizen, die in den Windsport eintauchen, als auch für Wassersport-Profis, die neue Facetten ihrer Sportart kennenlernen möchten. Worauf es dabei ankommt, verrate ich euch im Folgenden:

Der passende Wingskate-Spot

Die Bilder für diesen Artikel sind an einem Ort entstanden, der so ziemlich alle Parameter eines perfekten Spots fürs Wind- bzw. Wingskaten erfüllt – dem MFG5-Gelände in Kiel: Feine Asphaltflächen erstrecken sich von sanften Wiesen umgeben in die gut belüftete Kieler Förde. Konstanter Wind und perfekter, ebener Untergrund – was will man mehr? Wingskaten könnt ihr schon bei der leichtesten Brise, aber auch bei mehr Wind funktioniert der Spaß: Minimaler Rollwiderstand gepaart mit einem Wing, der sich mühelos voll anpowern oder neutral stellen lässt, garantieren Fahrspaß von fünf bis über 15 Knoten Wind. Mäßiger Wind bis zehn Knoten ist am Anfang ideal. Sucht euch für den Start einen Parkplatz, eine freie Straße oder – mit entsprechendem Board – einen gut belüfteten Feldweg und los geht’s.

Die Grenzen von Skaten und Surfen verschmelzenFoto: Foivos Tsoupras
Die Grenzen von Skaten und Surfen verschmelzen
Die Grenzen von Skaten und Surfen verschmelzenFoto: Foivos Tsoupras
Die Grenzen von Skaten und Surfen verschmelzen

Welche Winggröße?

Am besten nehmt ihr einen kleinen bis mittleren Wing mit 4-5qm, um ein perfektes Verhältnis aus Vortrieb, Handlichkeit und Bodenfreiheit zu bekommen. Ich mit knapp über 180 Zentimeter Körpergröße und 80 kg Gewicht nutze einen 5qm Wing. Da ich gerne etwas mehr “Wumms” im Wing habe und diesen für Sprünge und Geländefahrten nutze, passt ein 5er für mich perfekt. Ein größerer Wing hat natürlich mehr Spannweite als ein kleinerer Wing, wodurch die Bodenfreiheit schrumpft: Auf einem Skateboard steht man quasi auf dem Boden und hat nicht, wie beim Wingfoilen, einen halben Meter Boden- bzw „Wasserfreiheit“ unter sich. Kleinere Menschen sollten auch deshalb einen kleineren Wing um die 4qm wählen. Andernfalls müssten sie den Wing permanent weit nach oben strecken, damit das Wing-Tip nicht den Asphalt küsst. Beim Wingskaten mit schnellen Longboardrollen wird ohnehin nicht so viel Druck im Wing benötigt, um richtig schnell zu werden. So können auch größere Menschen ruhig einen kleinen, handlichen Wing nehmen.

Kleine Wings bieten beim Wingskaten mehr “Bodenfreiheit”Foto: Foivos Tsoupras
Kleine Wings bieten beim Wingskaten mehr “Bodenfreiheit”
Kleine Wings bieten beim Wingskaten mehr “Bodenfreiheit”Foto: Foivos Tsoupras
Kleine Wings bieten beim Wingskaten mehr “Bodenfreiheit”

Du hast noch Fragen dazu, wie man den Wing aufbaut? Dann findest du HIER ein Basic-Tutorial dazu.

Welches Board zum Wingskaten?

Im Wesentlichen gibt es vier verschiedene Boardtypen: klassische Skateboards, Cruiserboards (in meinem Fall ein Surfskate), Longboards und Mountainboards. Wenn man ein Skateboard mit kleinen Rollen nimmt, muss der Untergrund dementsprechend glatt sein – ohne Rillen oder Ähnlichem. Am besten eignet sich am Anfang ein Cruiser- oder ein Longboard mit größeren Rollen, weil es Unebenheiten besser “wegschluckt”. Ich persönlich nehme mittlerweile ganz gerne ein sogenanntes Mountainboard. Das ist ein überdimensioniertes Skateboard mit großen Luftreifen. Und genau wie mit einem Mountainbike kann ich damit auch auf unebenem Gelände wie z.B. auf Wiesen fahren.

Zum Wind- und Wingskaten eignet sich nahezu alles, was rollt – z.B. Skate- oder Mountainboard (rechts)Foto: Manuel Vogel
Zum Wind- und Wingskaten eignet sich nahezu alles, was rollt – z.B. Skate- oder Mountainboard (rechts)
Zum Wind- und Wingskaten eignet sich nahezu alles, was rollt – z.B. Skate- oder Mountainboard (rechts)Foto: Manuel Vogel
Zum Wind- und Wingskaten eignet sich nahezu alles, was rollt – z.B. Skate- oder Mountainboard (rechts)

Schlaufen geben mir beim Mountainboard zusätzlichen Halt und Kontrolle, sodass ich damit sogar richtig springen kann. Den Clip einer netten Session findest du hier:

Übrigens habe ich zuletzt einer Freundin, die auf Inlineskatern unterwegs war, meinen Wing in die Hand gedrückt: Nach wenigen Minuten Eingewöhnung rauschte sie im Affenzahn mit einem breiten Grinsen an mir vorbei. Ein Wing lässt sich also scheinbar auch perfekt mit Inlineskates kombinieren. Bei nächster Gelegenheit werde ich auch mal diese Variante ausprobieren, weil es immer unglaublich viel Spaß macht, Neues mit dem Wing zu lernen.

Sicherheit beim Wingskaten

Die Wing-Tips sind zwar meist mit Verstärkungen vor Abrieb geschützt, übertreiben sollte man es allerdings mit dem Bodenkontakt nicht. Um den Wing vor einem “Asphaltkuss” zu bewahren, kann man entweder den Wing mit der vorderen Hand schnell anheben oder bei drohendem Bodenkontakt die Strut mit der hinteren Hand Richtung Boden pushen – dadurch steigt die Front Tube und damit der Wing wieder nach oben. Wenn der Wing sich aber im Boden „festbeißt“, sollte man schnell die hintere Hand loslassen und die Fronttube anheben: Der Wing klappt dabei um und schwebt dann frei in umgedrehter Position. Um wieder in Fahrposition zu kommen, muss man einfach den Wing an der Fronttube wieder auf die richtige Seite drehen.

Auch Wingskate-Profis wie Anton Munz fahren nie ohne HelmFoto: Foivos Tsoupras
Auch Wingskate-Profis wie Anton Munz fahren nie ohne Helm
Auch Wingskate-Profis wie Anton Munz fahren nie ohne HelmFoto: Foivos Tsoupras
Auch Wingskate-Profis wie Anton Munz fahren nie ohne Helm

Abschließend rate ich generell beim Wingskaten aufgrund des harten Untergrunds Schutzkleidung zu tragen. Ich persönlich fahre nie ohne Helm. Insbesondere Anfänger*innen sollten darüber hinaus Protektoren in Form von Knie-, Ellbogen- und Handgelenkschoner tragen.

Wingskaten – Anfahren & Bremsen

Um in die Fahrposition zu kommen, ziehe ich den Wing zuerst über mich. Zunächst greife ich nur mit der vorderen Hand die erste Schlaufe, lasse den Wing schweben und nehme dann die hintere Hand an eine der hinteren Schlaufen. So kann man sich vorsichtig von vorne nach hinten arbeiten, wobei der vordere Arm den Wing führt und diesen IMMER fest im Griff hat. Des Weiteren sollte der vordere Arm stets von euch weg und tendenziell nach oben gestreckt sein. Wenn sich der Wing aufschaukeln oder zu stark ziehen sollte, könnt ihr einfach die hintere Hand lösen und den Wing wieder über euch auspendeln lassen.

In der Fahrposition zeigt die Spitze des Wings auf die “10-Uhr-Position”, bzw. auf die “2-Uhr-Position” bei einer Fahrt in die andere RichtungFoto: Foivos Tsoupras
In der Fahrposition zeigt die Spitze des Wings auf die “10-Uhr-Position”, bzw. auf die “2-Uhr-Position” bei einer Fahrt in die andere Richtung
In der Fahrposition zeigt die Spitze des Wings auf die “10-Uhr-Position”, bzw. auf die “2-Uhr-Position” bei einer Fahrt in die andere RichtungFoto: Foivos Tsoupras
In der Fahrposition zeigt die Spitze des Wings auf die “10-Uhr-Position”, bzw. auf die “2-Uhr-Position” bei einer Fahrt in die andere Richtung

Generell gilt: Der hintere Arm ist euer Steuerknüppel. Mit ihm könnt ihr die Mittelstrut zum Steuern nach vorne/hinten bzw. unten/oben führen und damit Flugrichtung sowie den Wingdruck regulieren. Die Mittelstrut zeigt zudem an, wo der Wing mit der Wingspitze voran hinfliegt. Wenn man sich eine Uhr vorstellt, zeigt die vordere Spitze des Wings, bzw. der Mittelsrut entweder auf die “10-Uhr-Position” oder auf die “2-Uhr-Position”, je nach Fahrtrichtung. Mein Tipp: Wenn ihr noch keine Erfahrung mit dem Wing habt, nehmt euch vor dem ersten Start etwas Zeit, sucht euch ein Plätzchen mit Wind und weichem Untergrund (Sand, Gras) und übt erstmal das Handling des Wings an Land.

Um mit dem Wingskaten loszulegen, sollte man schonmal mit einem Skateboard gefahren sein. Zuerst stellt man das Board quer zum Wind, schiebt etwas an und fährt am besten erstmal ohne Wingdruck mit einer Hand vorne am Wing hin und her: Der Wing schwebt neutral gestellt hinter euch, sodass ihr euch voll auf die Boardsteuerung konzentrieren könnt. Nach ein paar Runden könnt ihr jetzt den Wing in Fahrposition bringen, um auf Halbwindkurs, also quer zum Wind, hin und her zu fahren. Anfangs solltet man erstmal nur Schritttempo fahren, um sich vorsichtig an das Fahrverhalten zu gewöhnen. Holt im Wechsel mit der hinteren Hand locker dicht und fiert wieder auf. Sollte es dennoch mal zu schnell werden, könnt ihr jederzeit die hintere Hand loslassen und das Skateboard ausrollen lassen – oder abspringen. Alternativ könnt ihr den Wing ganz hochsteuern und ggf. in den Wind fahren, um mit dem Gegenwind abzubremsen. Generell gilt: Hältst du den Wing nur an der vorderen Handle und löst die hintere Hand von der Mittelstrut, schwebt der Wing in neutraler Position – dann produziert er keinen Vortrieb, wodurch du früher oder später zum Stehen kommst.

Auch an Land gibt’s mit dem Wing kaum Limits – für Anton Munz schon gar nichtFoto: Foivos Tsoupras
Auch an Land gibt’s mit dem Wing kaum Limits – für Anton Munz schon gar nicht
Auch an Land gibt’s mit dem Wing kaum Limits – für Anton Munz schon gar nichtFoto: Foivos Tsoupras
Auch an Land gibt’s mit dem Wing kaum Limits – für Anton Munz schon gar nicht

In der nächsten Folge verrate ich euch alle Tricks für Fortgeschrittene Wingskater – vom Halsen, bis hin zum Switch-Stance-Fahren und Springen. Bis dahin viel Spaß beim Üben!

Euer Anton